Identitaet und Privatsphaere
Identitaet – was ist das eigentlich? Irrelevanzia definiert die Identitaet wie folgt:
Beim Menschen bezeichnet Identitaet (v. lat. idem, derselbe, der gleiche) die ihn kennzeichnende und als Individuum von anderen Menschen unterscheidende Eigentuemlichkeit seines Wesens.
Es geht also um Alleinstellungsmerkmale und die kann man zumindest stochastisch evaluieren. Wir ich schon in meinem Paper ueber Reality Mining1 bereits beschrieben habe, ist Entropie ein dabei besonders interessantes Mass. Es gilt als Einheit fuer Unordnung, aber es ist viel mehr als das. Entropie kann dazu verwendet werden, um Muster zu visualisieren und sie sogar mathematisch vergleichbar zu machen, selbst wenn wir diese Muster nicht in Worte fassen koennen. Eine andere Definition von Entropie nennt es die Generalisierung der Anzahl von moeglichen zufaelligen Unterschieden. Solche Anzahlen werden haeufig auch durch Bits of Entropy dargestellt. Beispiel: Bei einem Zufallsexperiment gibt es zwei moegliche Elementarereignisse. Wir sprechen hierbei dann von einer Entropy von einem Bit, da . Wenn wir eine Entropy von 3 Bits bei einem Zufallsexperiment annehmen, so gibt es
Ereignisse, usw.
Nun koennen wir dieses simple mathematische Modell auf die Identitaet anwenden: Es gibt ca. 6,9 Milliarden Menschen (6.900.000.000). Also benoetigt man Bits, um eine Person auf der Welt eindeutig zu identifizieren. Da es bei Computern so immer die Sache mit der 8 ist, koennen wir jetzt mal approximieren:
, also weniger als 5 Byte. Zum Vergleich: Auf x86 Maschinen ist die Assembler Anweisung nop (=no operation, hexadezimal 90 oder auch 10010000) 8 Bit lang. 8 Bits wuerden genuegen, um im optimalen Fall 256 Personen unterscheiden zu koennen. Das ist alles wirklich nicht viel.
Treiben wir das ganze noch weiter und werden politischer: Wenn EVILOFYOURCHOICE Daten von Personen speichert, z.B. Land, Most Viewed Website, durchschnittliche Online-Zeit, Browser, Displaygroesse, zuletzt online gekaufter Artikel, zuletzt offline gekaufter Artikel, etc., ohne zu wissen, wer diese Person ist, so ist das voellig egal, denn man kennt natuerlich auch die Personen, die mit dieser Person kontakt hatten (Telefon, E-Mail, SMS) und deren Daten und das alles aggregiert sich zu einem riesigen Netz (ja, jetzt sind wir beim Reality Mining angelangt). Jetzt nehmen wir mal an, dass wir dieses Netz kennen und eine Person aus diesem Neetz geht in einen Laden und nutzt seine Payback-Karte, die mit dem Namen der Person assoziiert ist… dann wissen wir auf einmal noch viel mehr und koennen ohne Muehe andere Personen aus diesem Netz identifizieren.
Leute, die unsere Daten speichern, nutzen solche Techniken (die ich bewusst sehr plump erklaert habe) schon seit Jahren! Sie nutzen das auch aus und senden Werbung oder bevorzugen besondere Zentralpersonen solcher Netze bei Hotlines und bei Kulanz. Wisst ihr ueberhaupt, wer was von euch weiss? Glaubt ihr wirklich, dass eure Privatsphaere geschuetzt ist und ihr nichts zu verbergen habt?
Uebrigens: Wenn die Polizei so etwas macht, dann nennt man das Rasterfahndung, deren Vertraeglichkeit mit dem Grundgesetz doch stark zu bezweifeln ist, da sie die Unschuldsvermutung, die wie folgt rechtlich (GG Art. 11 Abs. 1) definiert ist, aufhebt:
Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem oeffentlichen Verfahren, in dem alle fuer seine Verteidigung noetigen Voraussetzungen gewaehrleistet waren, gemaess dem Gesetz nachgewiesen ist.
Auf Europaeischer ebene verletzt es meiner Ansicht nach auch Art. 6 Abs. 2 der Europaeischen Menschenrechtskonvention:
Jede Person, die einer Straftat angeklagt ist, gilt bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig.
Dennoch wird es gemacht! Wollt ihr wirklich den neuen Personalausweis oder bis vor kurzem ePA?
SRSLY?
Mehr Informationen zu Bits & Privacy? Hier.
- Veroeffentlichung steht noch aus. [↩]







am 3. Februar 2010 um 11:24 Uhr.
TYVM